Lange mussten die Siemens-Fans auf die die neue S-Klasse warten. Jetzt ist es so weit: Das S65 kommt in die Läden. Der Siemens-Hit mit Megapixel-Kamera hat das Zeug, es in unserer Handy-Bestenliste ganz nach vorne zu schaffen.
Siemens will sich in Zukunft stärker bei den Oberklasse-Geräten engagieren. Die Fans werden's ihrem Lieblings-Hersteller danken.
Denn: Bei den Top-Geräten zeigte sich der Münchner Konzern in den letzten Jahren eher zurückhaltend. Das letzte S-Klasse-Modell S55 hat jetzt immerhin schon fast zwei Jahre auf dem Buckel – und ist inzwischen einfach nicht mehr zeitgemäß.
Mit dem S65 zeigen die Münchner, dass sie es ernst meinen mit dem Angriff auf die Spitzenplätze. In der Handy-Bestenliste liefert sich das Gerät einen heißen Fight mit der bisherigen Nummer eins, dem Nokia 6230.
Bei den Organizer- und Datenfunktionen gibt sich das S65 keine Blöße - und beim Messaging setzt es sogar einen neuen Bestwert. Doch das Handy mit Megapixel-Digicam und netten Java-Spielen kann auch unterhaltsam sein.
Digicam
Die integrierte Kamera schießt Fotos mit maximal 1280 x 960 Bildpunkten. Das kann derzeit kein anderes Handy. Die Aufnahmen vom Sharp GX30 oder Nokia 7610 bieten mit 1152 x 864 Pixel eine niedrigere Auflösung. Dabei gefalllen uns die mit dem S65 bei guten Lichtverhältnissen angefertigen Bilder besser als die der anderen Megapixel-Handys. Bei dunklerer Umgebung zeigen die Fotos allerdings ein starkes Farbrauschen - da hilft dann auch die manuelle Helligkeitsregelung nicht viel. Das recht gute Bildbearbeitungs-Programm ist etwas lieblos integriert: Die Nutzer finden den Foto-Editor nicht im Kamera-Menü, sondern nur dann, wenn sie ein Bild im Media-Pool betrachten und dann im Menü „ändern“ auswählen.
Videos nimmt die Kamera mit maximal 176 x 144 Pixel auf, das Maximum liegt trotz guter Speicherausstattung bei 30 Sekunden. Ob Sie die Aufnahmedauer auf „MMS-geeignet“ oder „Maximum“ stellen, macht keinen Unterschied, da das S65 laut Siemens bereits auf eine MMS-Größe von 300 Kilobyte eingestellt ist.
Speicher und MMS
Etwa sechs Megabyte freien Hauptspeicher stellt das S65 im Auslieferzustand zur Verfügung. Dazu kommen 32 Megabyte auf der mitgelieferten Speicherkarte im RS-MMC-Format. Laut Kamera-Anzeige reicht das für etwa 150 hoch aufgelöste Fotos. Damit dürften die meisten Nutzer zufrieden sein, zumal das S65 keinen MP3-Player bietet.
Verschicken können Sie die Bilder und Videos per Infrarot oder Bluetooth. Im Test auf einem XP-System funktionierte das bereits mit Bordmitteln reibungslos. Wenn Sie zusätzlich noch ein USB-Datenkabel kaufen, können Sie Daten zwischen Handy und PC auch per Kabel austauschen.
Weitere Übertragungsmöglichkeiten bietet der Versand mit dem integrierten E-Mail-Client oder als Multimedia-Nachricht. Bei den MMS unterstützt das S65 selbst die von Netzbetreibern inzwischen zugelassenen großen Nachrichten bis zu 300 Kilobyte. Im Test konnten wir ohne Schwierigkeiten ein knapp 200 Kilobyte großes Megapixel-Foto sowie ein Video mit 250 KByte per MMS übers Vodafone-Netz verschicken.
Java
Das S65 besitzt eine aktuelle Java-Engine (MIDP 2.0) und bietet neben den mitgelieferten Spielen „Worms“, „Sea Battle“ und „3D Rally“ nette weitere Java-Anwendungen - etwa einen „Cocktail-Manager“ oder den oben bereits erwähnten „Photo Editor“.
Business
Professionelle Nutzer bedient das S65 in überzeugender Manier: Das Handy besitzt Anschlüsse für eine externe Antenne und ein USB-Kabel. Zudem sind Bluetooth- und Infrarot-Schnittstelle integriert. Die Outlook-Synchronisation von Adressbuch und Kalender klappte bei uns im Test problemlos, war über Infrarot allerdings langwierig: Fürs Überspielen von 450 Adressen mussten wir eine gute Viertelstunde warten. Insgesamt fasst das S65 1.000 Kontakte. Ein weiterer Wermutstropfen: Das Handy speichert nur eine Postanschrift. Immerhin können Sie im Sync-Prgramm wählen, ob Sie im Zweifel lieber die Heim- oder die Firmenadresse auf dem Handy haben möchten.
Als vollkommen praxistauglich erweist sich der E-Mail-Client. Da Siemens die WAP- und Internet-Zugänge (GPRS Klasse 10: mit maximal 53,6 kbit/s) für alle vier Netzbetreiber bereits vorkonfiguriert hat, beschränkt sich das Einrichten auf die Angabe der E-Mail-spezifischen Parameter. Im Test funktionierte das Abrufen und Versenden von Mails auf Anhieb. Schön ist auch, dass das S65 auch mit Anhängen klar kommt und etwa empfangene Fotos direkt anzeigt.
In anderen Ländern wird das S65 übrigens auch einen Instant-Messaging-Client besitzen. In Deutschland soll er laut Siemens erst bei Interesse der Netzbetreiber integriert werden.
Praxis: Einfach effektiv
Das S65 erteilt dem abflauenden Trend zu immer kleineren Handys eine Absage: Es ist mit 109 Millimeter Länge relativ groß. Inklusive SIM- und Speicher-Karte wiegt es 104 Gramm.
Die Verarbeitung des Geräts ist ordentlich, allerdings lässt der Akku-Deckel auf der Handy-Rückseite einen relativ großen Spalt. Die Tasten besitzen einen guten Druckpunkt, ihre Beschriftung können Sie auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut ablesen. Allerdings sitzen die Tasten für unseren Geschmack etwas zu eng beieinander.
Display
Das relativ große aktive Display des S65 zeigt 132 x 176 Pixel in 65.536 Farben an: Durchschnitt. Die Darstellung dürfte insgesamt zwar etwas heller sein, ist aber unterm Strich gut. Allerdings scheint Siemens ein echtes Problem mit dem Stromverbrauch des Displays zu haben: Wer gerne `mal ein Spielchen wagt oder das Handy häufig nutzt, sollte das – zum Glück kleine – Ladegerät mitnehmen. Wir mussten das S65 beim Testen mindestens einmal täglich aufladen.
Bedienung
Bei der intuitiven und - vor allem - effektiven Bedienung macht das S65 im Vergleich zu den Konkurrenten von Nokia und Sony Ericsson entscheidende Punkte gut. Beim Münchner Handy können Sie die Funktionen auf 16 unterschiedliche Arten direkt aufrufen: Die vier Joystick-Richtungen, die beiden Softkeys, die Ziffern-Tasten 2 bis 8 und sogar die Seitentasten lassen sich mit Funktionen Ihrer Wahl belegen. Wer sich fürs Einrichten des Handys ein bisschen Zeit nimmt, kann danach so ziemlich alle ihm wichtigen Features mit einem Tastendruck erreichen.
Auch Nicht-Profis müssen vor dem S65 keine Angst haben: Der Funktionsumfang ist zwar riesig. Die meisten Nutzer dürften aber mit der Bedienung klarkommen, ohne vorher das insgesamt zufrieden stellende Handbuch zu lesen.
Akustik
Ebenfalls sehr gut abgeschnitten hat das S65 in unserem Akustik-Test: Handy-Nutzer und Gesprächspartner waren mit Verständlichkeit und Klang zufrieden - nur am Handy war 'mal wieder das leise „Siemens-Rauschen“ zu hören.
Instabile Software
Unser Testgerät mit der aktuellen Firmware Version 11 (die gleiche, die auch auf den derzeit an die Läden ausgelieferten S65-Modellen läuft) verhielt sich gelegentlich etwas seltsam. So vollführte das Handy beim Testen einige Male unvermittelt einen kompletten Neustart. Gekrönt durch die mehrstündige Weigerung des Megapixel-Phones, unter dem Hauptmenü-Punkt „Nachtrichten“ überhaupt irgendetwas anzuzeigen. Auch mehrmaliger Neustart und Entfernen des Akkus halfen nicht – aber: nach ein paar Stunden lief's dann plötzlich wieder.
Ein zweites S65 mit gleicher Firmware zeigte diese Probleme bislang zwar nicht. Vorsichtigen Nutzern empfehlen wir dennoch, lieber noch ein paar Wochen auf ein S65 mit neuer Software zu warten. Wer jedoch unbedingt sofort eins haben möchte, kann auch jetzt schon zugreifen. Sie sollten aber damit rechnen, dass bald ein Firmware-Update fällig wird. Zum Trost können die Nutzer die Firmware bei Siemens-Handys selbst aus dem Netz laden und aufspielen.